Gesprächskreis eröffnet das Testament der Reblaus
8. Februar 2010

Reblaus-Cartoon aus dem Jahr 1890
„Das Testament der Reblaus“ eröffnet Paul Gieler am Dienstag, 23. Februar, um 19 Uhr im Rahmen des Gesprächskreises Ahrwein im AhrWeinForum in Ahrweiler. Unter den tierischen Schädlingen der Weinrebe hat die Reblaus historisch die größte Bedeutung. Denn der von ihr angerichtete Schaden zog weltweit gravierende wirtschaftliche, weinbaupolitische und kulturelle Konsequenzen nach sich. Mit bewurzelten amerikanischen Rebstämmen wurde die Reblaus Mitte des 19. Jahrhunderts nach Frankreich eingeschleppt. Dort verwüstete sie zunächst 700.000 Hektar Rebfläche. Im Jahr 1867 gelangte sie dann auf einer aus Washington stammenden Zierrebe in die Gartenanlage Annaberg des landwirtschaftlichen Institutes Bonn-Poppelsdorf. 1881 wurde sie erstmals an der Ahr entdeckt: …
Mitte August fiel dem damaligen Neuenahrer Bürgermeister, Rittmeister a.D. Hepke, bei einem Sparziergang durch die Weinberge am Südhang der Landskrone eine kränklich aussehende Stelle in einem Wingert auf. Hepkes Vermutung, die Reblaus könne Verursacherin der verkümmerten Triebe und der gelbbraun gefärbten Blätter sei, bestätigte sich 16. August bei einer Untersuchung der Rebwurzeln im Labor des Neuenahrer Apothekers Dr. Bödikeram. Der sofort hinzugezogene Verwalter der Königlichen Garteninspektion Engers, Inspektor Ritter, bestätigte den Befund vor Ort und telegraphierte am 18. August an den Oberpräsidenten der Rheinprovinz nach Koblenz: „Reblaus constatirt bleibe bis weitere Befehle suche Umfang der Infection.” Noch vor der Lese wurden die Rebstöcke ausgerissen und samt ihren Wurzeln verbrannt. Anschließend wurde der Boden mit Schwefelkohlenstoff behandelt.
Die Reblaus – lediglich Zypern und Chile wurden von diesem Schädling verschont - hat den Weinanbau auf der Welt grundlegend verändert. In ihr Testament schrieb sie, dass viele Bekämpfungsversuche wirkungslos seien und dass nur ein Miteinander von Reben des amerikanischen und des europäischen Kulturkreises ihr wirksam gegenüber treten können.
Reinhold Kurth und Marc Linden warten nach dem Reblaus-Referat mit Informationen zur aktuellen Entwicklung in Weinberg und Keller auf. Der Eintritt zu der Veranstaltung ist frei.
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Grafik: Wikimedia Commons
