Mit großer Zuhörerschaft ins vierte Jahr
18. Februar 2012

Paul Gieler (Zweiter von links) schenkte einen Johanniterwein ein. Oliver Piel, Dr. med. G. Kreuter, Reinhold Kurth, Marc Linden in kritischer Begutachtung.
Bei „Piwis“ handelt es sich weder um eine Vitamin-C-reiche australische Obstsorte noch um eine exotische Vogelrasse, sondern vielmehr um eine gebräuchliche Abkürzung für “pilzwiderstandsfähige Rebsorten.” Sie standen im Mittelpunkt eines Referates und einer Verkostung mit dem Winzer und Regierungsdirektor a.D. Paul Gieler, zu denen der Gesprächskreis Ahrwein ins Weingut Sonnenberg nach Bad Neuenahr eingeladen hatte.
Marc Linden, Chef des Weinguts Sonnenberg, musste zusätzliche Stuhlreihen in seiner Weinstube aufstellen, so groß war das Interesse. Oliver Piel, stellvertretender Leiter des Ahrtal-Tourismus Bad Neuenahr-Ahrweiler e.V., unterstrich in seiner Begrüßung die erfolgreiche Arbeit des Gesprächskreises, der mit dem Piwi-Abend in sein viertes Jahr startete.
Mit seinen Aussagen, dass integriert-kontrollierter Weinbau einen Weinbau im Rahmen bestehender Rechtsvorschriften darstelle und etwas ganz Normales sei und dass es biologischen und ökologischen Wein noch nicht gebe, versetzte Gieler seine Zuhörer zunächst in Erstaunen. Es gebe zwar „Wein aus ökologisch-biologischem Traubenanbau“; dieses Prädikat beziehe sich aber nicht auf das Weinbereitungsverfahren, d.h. das gesamte Verfahren von der Traube bis zum Wein.
Der Weg heute führe, so der Referent, zu einem Weinbau, der ökologisch tragfähig, ökonomisch existenzfähig und sozial verantwortlich sei. Die Rolle, die Piwis als eine kleine, sinnvolle Ergänzung nachhaltigen Weinbaues zukommt, sei dabei nicht unbedeutend. In seinen Ausführungen machte Gieler klar, dass es Rebsorten mit hundertprozentiger Pilzresistenz in absehbarer Zeit nicht geben werde. Je nach Wetterlage und Befallsdruck könne auch bei Piwis auf die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln nicht gänzlich verzichtet werden.
Der zweite Teil des Abends stand unter dem Motto „Ahrwein aktuell“. In der von Dr. med. Gerhard Kreuter geleiteten Diskussion gab Reinhold Kurth einen Einblick in die Praxis des ökologischen Traubenanbaues. Kurth überraschte mit einer druckfrischen Pressemitteilung der Europäischen Kommission, in der es hieß, dass die Vorschriftenlücke zum ökologischen Weinbereitungsverfahren im Jahr 2012 geschlossen werde.
Marc Linden ging auf die physikalischen Feinde des Weinbaues, die Fröste, ein. Die Winzer seien hier gleich dreifach gefährdet: durch die Frühfröste im Herbst, die allerdings an der Ahr sehr selten seien, die Winterfröste und die Spätfröste im Mai. Bei gut gepflegten Rebanlagen dürfe der strenge Forst der vorangegangenen Wochen noch keine Schäden hervorgerufen haben, sagte er.
Zum Schluss konnten die Zuhörer ausgewählte Piwi-Weine verkosten. Bekannt an der Ahr ist die Rebsorte Regent. Aber auch andere Rebsorten wie Johanniter, Cabernet blanc und Solaris waren in verschiedenen Ausbaustufen vertreten.






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