“Hang zu maßloser Geldverschwendung”
8. Januar 2010
Nachdem der Bonner General-Anzeiger vor Tagen erstmals ausführlich über die Vorfälle rund um das Weingut Maibachfarm in Ahrweiler berichtete, wartet die Rhein-Zeitung heute mit einer Reihe neuer Details zu dem Fall auf. Angaben der Bonner Staatsanwaltschaft zufolge, habe der ehemalige Gutsverwalter „unter anderem vom Geld der Eigentümerin Weinberge auf seinen Namen gekauft und sie anschließend an ebendiese Frau verpachtet.“ Die Staatsanwaltschaft gehe von einem Schaden „im siebenstelligen Euro-Bereich“ aus.
Mit einem Hang zu „maßloser und übermütiger Geldverschwendung“ habe der Verwalter die Maibachfarm zu einem „landwirtschaftlichen Phantasialand mit immer neuen Attraktionen“ gemacht, zu einem „Schaufenster der Eitelkeiten“ und einer „exklusiven Spielwiese für eine extravagante Form der Landliebe – inklusive Käserei mit Schweizer Käsemeister“.
Weil das Gut allein in den Jahren 2004 bis 2008 rund 5,2 Millionen Euro Verlust gemacht habe, sei die Eigentümerin stutzig geworden und habe den Bonner Unternehmensberater Winfried Wieland als kaufmännischen Leiter eingesetzt. Der habe im Spätsommer ein “totales wirtschaftliches Desaster” vorgefunden, berichtet die Rhein-Zeitung. Der Verlust habe „das Fünffache des Umsatzes” betragen. Nach Wielands Worten sei „die Verpachtung von Weinbergen an die Eigentümerin, mit deren Geld sie gekauft worden waren, ein besonders dreistes Beispiel für die kriminelle Energie, die der Verwalter entfaltete“, sagte Wieland der RZ. Weitaus größerer Schaden soll aber „entstanden sein, indem der frühere Geschäftsführer der Maibachfarm auf seinen Namen erworbene Weinberge wieder weiterverkaufte – zugunsten des eigenen Geldbeutels.“
Auch auf steuerliche Ungereimtheiten sei Wieland gestoßen. Konsequenz sei zunächst „eine Steuerrazzia Anfang Oktober gegen den Verwalter und seinen Sohn als Kellermeister“ gewesen. Daraufhin habe auch die Staatsanwaltschaft begonnen, sich für das junge Weingut zu interessieren. “Mittelsmänner” hätten dem Verwalter daraufhin damit gedroht, ihn zu “killen”, berichtet die Rhein-Zeitung. Darüber hinaus sei einer Mitarbeiterin des Guts ein Messer an die Kehle gehalten worden, sagte der Anwalt der Bonner Eigentümerin, Michael Hakner, der RZ. Nun gehe es darum, ” die Mitarbeiter zu schützen, die seit Oktober bedroht werden und massiven Todesängsten ausgesetzt sind.” Auch gegen weitere Mitglieder der Familie werde ermittelt.
Im Zuge des Ausbaus während der vergangenen Jahre sei das Gut auch „bis an die ökologisch vertretbare Schmerz- und behördliche Toleranzgrenze“ ausgedehnt worden. Probleme gab und gibt es deshalb wohl auch mit „einer gewaltigen, nicht genehmigten Erdaufschüttung“ , mit der nicht genehmigten Veränderung eines Fließgewässers und seiner Randbereiche und einem „Verstoß gegen Auflagen bei der Flächenversiegelung im Zusammenhang mit dem Bau eines Hochwasserrückhaltebeckens.“
In drei, spätestens sechs Monaten wolle Wieland seine Mission jedoch beendet haben, heißt es in der RZ, “bis dahin”, prophezeit er, “wird noch eine ziemliche Welle durchs Ahrtal gehen.”
Der Weinbautechniker Reinhold Kurth, bislang Mitarbeiter der Winzergenossenschaft Ahrweiler, übernimmt zum 1. Februar die Betriebsleitung für den Bereich Weinbau. Sein Auftrag: Aus der Maibachfarm wieder ein normales Weingut machen, heißt es in der RZ– „ohne Überheblichkeiten, ohne Größenwahn, ohne aberwitzige Expansionsgelüste.“
siehe auch:
- Maibachfarm ist Kulisse für einen Winzer-Krimi (30. Dezember 2009)
- Generationenwechsel auf der Maibachfarm (14. August 2009)






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