Gebietsweinkönigin begab sich auf Forschungsreise
4. März 2012

Gebietsweinkönigin Julia Bertram (rechts) mit Karl Wershofen (von links), Karl-Hubert Damian, Wilfried Huff, Werner Timmler und Paul Gieler an der 250-jährigen Kastenholz-Rebe.
Einen nach Niederkastenholz unternahm dieser Tage die amtierende Ahr-Gebietsweinkönigin Julia Bertram. Auf einem Höhenrücken ganz in der Nähe dieses kleinsten Stadtteils von Euskirchen wurde früher nämlich Weinbau betrieben. Und Rebsetzlinge von dort waren bei den Winzern an Ahr und Mosel einst beliebt. Der Kölner Kaufmann Werner Timmler erwarb in den 1970er Jahren ein altes Haus in der Nähe der Burg Niederkastenholz, an dessen Wand noch heute ein etwa 250 Jahre alter Rebstock wächst. Timmler kümmert sich nach wie vor um den betagten Rebstock. Aus den Trauben, die er von ihm erntet, presst er jährlich 30 bis 50 Liter Most, den er sofort presst, um Weißwein daraus zu machen.
Diese Pflanze weckte bereits vor Jahren das Interesse der Forschungsanstalt Geisenheim, denn sie ist ein Urahn vieler Burgunderreben, die heute an der Ahr wachsen. Paul Gieler, Mitgründer des Gesprächskreises Ahrwein, hat die Rebenforscher aus Geisenheim von Anfang an begleitet. Bis in die 1950er Jahre wurden an der Ahr Reben aus Niederkastenholz angepflanzt, fand er heraus. Die Ahrwinzer nannten die Reben aus Niederkastenholz dabei schlichweg „Kaasten“.
Ahrweinköngin Julia Bertram studiert an der Fachhochschule Geisenheim Weinbau und Önologie. Derzeit schreibt sie an ihrer Diplomarbeit, die sie der Erhaltung der genetischen Vielfalt des Weinbaues an der Ahr widmet. Drei Ahr-Winzer, die sich noch gut an die Reblieferungen aus Niederkastenholz erinnern können, begleiteten die Weinmajestät bei ihrer kleinen Forschungsreise: Karl-Hubert Damian aus Mayschoß, Karl Wershofen aus Ahrweiler und der Rebzüchter Wilfried Huff aus Lantershofen.
Paul Gieler wusste, dass Most von Kaasten-Reben heute kaum mehr sortenrein ausgebaut wird. Denn die Erträge dieser Rebsorte seien von der Menge her eher mäßig. Die Qualität des Weins, der aus dem Most bereitet wird, sei allerdings hervorragend. In den Wingerten des Weinguts Adolf Schreiner in Rech und im Weingut Ernst Sebastian in Dernau, in dem Weinkönigin Julia aufgewachsen ist, habe die Rebe deshalb die Jahrzehnte überdauert. In der Walporzheimer Gärkammer, der Top-Weinlage des VdP-Weinguts J.J. Adeneuer in Ahrweiler, gedeihe der Kaasten ebenfalls nach wie vor prächtig.
- Weinmajestät von der Ahr adelt genetische Schätze des Weinbaus, rhein-zeitung.de vom 4. März 2012






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